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50 Jahre IJAB – nach vorne schauen und Zukunft einfordern

Mit einer Reihe von Veranstaltungen feiert IJAB sein 50-jähriges Jubiläum. Ein Fachkongress am 18. Mai in Berlin beleuchtete die Herausforderungen für die Internationale Jugendarbeit in Zeiten von aufkommendem Nationalismus, antieuropäischem Populismus und internationalen Spannungen. Er zeigte: IJAB und seine Partner stehen dafür, dass junge Menschen eine Zukunft als Europäerinnen und Weltbürger haben, heißt es in einer Pressemitteilung der IJAB.

Caren Marks, Parlamentarische Staatsekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eröffnet den Fachkongress

Es war ein repräsentativer Rahmen, den IJAB für Fachkongress und Festakt zum 50-jährigen Jubiläum gewählt hatte. Doch die Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg ist „nicht nur die schönste, sondern auch bescheidenste“ Landesvertretung in Berlin – so formulierte es ihr Leiter, Steffen Hebestreit, bei seiner Begrüßung. Mit Blick auf Russland und die Türkei wies Hebestreit darauf hin, welche Unsicherheit heute von internationalen Beziehungen ausgehe und der IJAB-Vorsitzende Lothar Harles griff diesen Faden in seinem Eröffnungsstatement auf. Angesichts wachsender Abschottung und kriegerischer Auseinandersetzung sei es eine große Herausforderungen, „Jugendliche fit zu machen als Weltbürgerinnen und Weltbürger, Europäerinnen und Europäer“.

Vor 50 Jahren hat das damalige Bundesjugendministerium IJAB aus der Taufe gehoben. Folglich war es die Parlamentarische Staatsekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Caren Marks, die den Fachkongress eröffnete und den Einsatz von IJAB mit einem Plädoyer für den internationalen Jugendaustausch als wichtigem Pfeiler des europäischen Zusammenhalts und des friedlichen Zusammenlebens würdigte: „IJAB trägt seit 50 Jahren dazu bei, dass Grenzen in Europa nicht mehr trennen, sondern verbinden“.

„Wir schauen immer häufiger mit Sorge auf Entscheidungen in anderen Ländern Europas, weil die Angriffe auf die europäische Einigung schärfer werden und antieuropäische Parteien und Initiativen an Zulauf gewinnen. Veranstaltungen wie dieser IJAB-Fachkongress zeigen aber gleichzeitig, wie dicht und stark das Gewebe von Gespräch, Begegnung und Erfahrungsaustausch ist, das Europa zusammenhält. Das tut gut, denn Europa braucht unaufgeregtes Handeln. Hier und heute wird darüber diskutiert, was nötig ist, um Europa über die Jugendarbeit zusammenzuhalten“, unterstrich die Parlamentarische Staatssekretärin.


Herausforderung Zukunft

Wer Perspektiven für die Internationale Jugendarbeit in den nächsten Jahren entwickeln möchte, so wie es Harles als Ziel des Fachkongresses ankündigte, tut gut daran, Expert(inn)en zuzuhören, die sich professionell mit der Zukunft beschäftigen. Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher ist so ein Experte. Als Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n an der Universität Ulm hat er unter anderem Nachhaltigkeitsstrategien begleitet. Mut machte es nicht unbedingt, was Radermacher vortrug. Alle internationalen Abkommen zur Abwendung des Klimawandels und für nachhaltiges Wirtschaften seien gescheitert. „Das ist, als würden wir uns verabreden, eine große Pizza zu backen, aber alle bringen nur Zutaten für eine kleine Pizza mit und hoffen, dass es niemandem auffallen wird“. Radermacher entließ sein Publikum aber nicht in die Hoffnungslosigkeit. Zum Ende hin geriet sein Beitrag zu einem großen Plädoyer für Herzensbildung. Mehr Bildung allein rette die Welt nicht, es seien gerade die am besten Ausgebildeten, die durch die gigantische Umverteilung, durch Bankenrettung, Staatsverschuldung und Austerität die Welt an den Abgrund geführt hätten. Hier komme die formale Bildung an ihre Grenzen. „Globale Empathie“ sei nötig, um die Welt zu verändern. Radermacher erhielt spontanen Applaus von den Aktiven der Internationalen Jugendarbeit.

Europas Jugendliche haben geringes Vertrauen in Institutionen

Nach Radermachers Vortrag waren die Zahlen, die Maximilian von Schwartz vom SINUS-Institut vorstellte, keine Überraschung. Das SINUS-Institut hat in einer ersten europaweiten Studie – Generation what? – die Einstellungen junger Menschen untersucht. Die Forscher diagnostizierten dabei ein schwindendes Vertrauen in Institutionen – gleichgültig, ob es sich dabei um Politik, Medien oder Kirchen handelt. Auch Europa schneidet in der Studie nicht gut ab – austreten möchten aber die Wenigsten. Europa stünde für Mobilität und Frieden, aber das Vertrauen in europäische Institutionen sei gering, sagte von Schwartz. „Europa ist nützlich, aber keine Herzensangelegenheit“, fasste er zusammen.

Emanuelle und Célia aus Frankreich, Ria aus Finnland und Mio aus Deutschland, die die Studie als jugendliche Gäste auf dem Podium diskutierten, waren von den Ergebnissen nicht überrascht. „Politics are scary, politicians are scary“, sagte Ria. Es seien Leute, die auf Jugendliche herabschauten und die erwarteten, dass man zu ihnen aufschaue. Den Jugendlichen ist es wichtig, Freunde in anderen Ländern zu haben. Sie wünschen sich mehr Events, bei denen sie Gelegenheit haben, andere Menschen und deren Lebenswirklichkeit verstehen zu lernen und mehr Institutionen, die dies ermöglichen. Und sie wünschen sich, dass wirklich alle Jugendlichen von der Möglichkeit, mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern zusammenzukommen, Gebrauch machen können.

Forderungen für die nächste Dekade

Der Fachkongress war kein Ort des passiven Zuhörens, er war auch ein Ort aktiver Beteiligung. In Arbeitsgruppen wurde darüber diskutiert, wie Internationale Jugendarbeit für die Zukunft fit gemacht werden kann und welche Forderungen dafür zielführend sind. Internationale Jugendarbeit muss sich jugendgerechter Kommunikation öffnen. Das Thema Europa muss stärker in den Alltag der Internationalen Jugendarbeit integriert werden. Mobilitätsberater/-innen, die die Informationen einer Region bündeln, sind nötig. Mehr jugendpolitische Unterstützung und finanzielle Absicherung werden gebraucht. In wenigen Stunden entstand ein umfangreicher Forderungskatalog.

Alle Forderungen werden als Teil der Dokumentation des Fachkongresses veröffentlicht und in den nächsten Wochen und Monaten in Gespräche mit dem Bundesjugendministerium und Entscheidungsträger(inne)n eingehen.

Die Frage der finanziellen Absicherung internationaler Jugendarbeit fand einen ersten Niederschlag in der Podiumsdiskussion, die den Workshops folgte. Vertreterinnen und Verteter von Trägern Internationaler Arbeit diskutierten mit Verantwortlichen aus Jugendministerium und Politik. Sind 39 Millionen Euro, die das Bundesjugendministerium für Internationales bereitstellt, viel oder wenig? „Hamburg ist eine Arrival City“, stellte Dr. Herbert Wiedermann von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg fest, „und mehr junge Menschen bedeutet selbstverständlich auch mehr Geld“. Mehr Initiativen für junge Menschen, die bisher noch nicht durch internationale Angebote erreicht werden, ist ein wichtiger Schwerpunkt für Uwe Finke-Timpe, Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In der Brust von Markus Koob, Abgeordneter im Deutschen Bundestag, schlagen zwei Herzen – ein jugendpolitisches und ein finanzpolitisches. „Wir sind parteiübergreifend einig zu fördern, aber das Geld muss auch gut angelegt sein“, sagte Koob. Eine Empfehlung richtete Koob direkt an das Publikum: „Schicken sie uns weniger Papier, suchen Sie das direkte Gespräch mit uns Abgeordneten, damit Ihre Arbeit für uns erfahrbar wird“.

12.6.17